Nahrungsergänzungsmittel
Die richtige Ernährung bei Diabetes
Welche Nahrungsergänzungsmittel sind für Diabetiker sinnvoll?
Viele funktionelle Lebensmittel ("functional food") und Nahrungsergänzungsmittel
werden derzeit in den Medien angepriesen. Auch für Diabetiker gibt es
dabei eine große Auswahl an Produkten.
Beispiele dafür sind:
- Ballaststoff-angereicherte Produkte
- Margarine mit zusätzlichen Pflanzensterolen, die sich
günstig auf die Blutfette auswirken sollen
- Kapseln und Tabletten mit
- Omega-3-Fettsäuren
- Mineralien, Spurenelementen
- Pflanzenextrakten
- Vitaminen
Diese Produkte sollen Diabetes verhindern und bei
der Behandlung von Diabetes oder zur Verhütung seiner Komplikationen hilfreich
sein.
In Studien konnte man zwar potentiell bedeutsame Wirkungen zeigen, allerdings
fehlen meist weitere Untersuchungen zur Langzeitanwendung.
Bevor der langfristige Nutzen in klinischen Studien nicht bewiesen ist, raten die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die europäische Diabetes and Nutrition Study Group
(DNSG) von der Anwendung von funktionellen Lebensmitteln und von Nahrungsergänzungsmitteln
ab. Die ausgewogene diabetesgerechte Kost stellt normalerweise sicher, dass
alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge aufgenommen werden. Nahrungsergänzungsmittel
sind kein (teilweiser) Ersatz für Ihre Diabetesmedikamente!
Zu einigen Nahrungsergänzungsmitteln, die zur Zeit in der Diskussion
sind, möchten wir Ihnen im Folgenden nähere Informationen geben:
Mineralien und Spurenelemente
- Chrom
Chrom soll einen positiven Effekt auf den Zuckerstoffwechsel von Diabetikern
haben. Wegen fehlender Studien ist Chrom zur Zeit als Nahrungsergänzungsmittel
nicht zu empfehlen.
- Zink
Diabetiker scheiden größere Mengen
Zink über den Urin aus als Nichtdiabetiker. Deswegen kann bei
Diabetikern häufig ein Zinkmangel nachgewiesen werden. Ein bestehender Zinkmangel
kann den Diabetes verschlechtern, da Zink zusammen mit Insulin eine wichtige
Rolle im Zuckerstoffwechsel spielt. Bei vollwertiger Ernährung ist aber
eine Nahrungsergänzung nicht notwendig, da so ausreichend Zink aufgenommen
wird. Zinkreiche Lebensmittel sind: Fleisch, Fisch und Schalentiere, Milch- und Vollkornprodukte, Erdnüsse und Walnüsse, Linsen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene eine Zufuhr von 10 mg Zink/Tag (Frauen 7 mg/Tag).
- Magnesium
Magnesium ist als Baustein von Enzymen wichtig bei der Glucoseverwertung in
den Körperzellen. Ein Magnesium-Mangel fördert den Diabetes und die
diabetischen Folgeschäden. Diskutiert wird derzeit über eine Nahrungsergänzung
mit Magnesium für Diabetiker, um den Verlauf der diabetischen Neuropathie
(Nervenschädigung) und Retinopathie (Netzhaut- und Augenschädigung)
aufzuhalten. Bis jetzt gibt es keine eindeutigen Empfehlungen.
Sie können Ihren Magnesiumbedarf über die Nahrung decken, z. B. mit Vollkornprodukten,
magnesiumreichem Mineralwasser, Geflügel, Leber, Fisch, Bananen, Milchprodukten,
Gemüse.
Von der DGE wird eine Zufuhr von 300 bis 400 mg Magnesium/Tag
empfohlen.
- Kalium
Eine Nahrungsergänzung mit Kalium ist nur
bei nachgewiesenem Kaliummangel nötig. Als Diabetiker sollten Sie auf
Ihren Kaliumspiegel achten, da Kaliumverluste eine diabetische Ketoazidose
(Stoffwechselentgleisung durch Zucker-Abbauprodukte) verschlimmern. Zu erniedrigtem
Kaliumspiegel kommt es durch schlechte Blutzuckereinstellung und durch bestimmte
Medikamente (Diuretika, "Wassertabletten", die den Blutdruck durch
verstärkte Wasser- und Natriumausscheidung senken).
Vitamine
- Antioxidative Vitamine E und C
Durch die erhöhten Blutzuckerwerte sind bei Diabetikern
die Körperzellen erhöhtem oxidativen Stress ausgesetzt, was die Zellen auf Dauer schädigt. Dieser oxidative
Stress wird – neben der "Verzuckerung" von
Körpereiweißen – für die Diabetesfolgen verantwortlich
gemacht: Schädigung von Nerven, großen und kleinen Blutgefäßen
mit den entsprechenden Konsequenzen wie diabetischer Fuß, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Nieren- und Augenschäden. Es gibt Hinweise darauf, dass die antioxidativ
wirksamen Vitamine C und E ebenso wie sekundäre Pflanzenstoffe zellschützend
wirken. Normalerweise ist bei vollwertiger Ernährung eine Nahrungsergänzung
nicht notwendig. Viel Vitamin C enthalten z. B. Zitrusfrüchte, Grünkohl,
Acerolakirschen, Sanddorn. Vitamin E liefern pflanzliche Öle wie Weizenkeim-
und Sonnenblumenöl. Abzuraten ist nach derzeitigem Stand auch von so genannten "Megadosen" dieser Vitamine, die die empfohlenen Mengen um ein Vielfaches überschreiten.
Sie haben keinen eindeutig nachgewiesenen Nutzen.
- B-Vitamine
Sie sollen das Fortschreiten von diabetischen Nervenschäden verlangsamen.
Genauere Untersuchungen liegen dazu allerdings nicht vor. Für die Nervenfunktion
bedeutsam sind Vitamin B1 und B6.
- α-Liponsäure (Thioctsäure),
z. B. Neurium® HEXAL
Diese vitaminähnliche Substanz wird von wichtigen
Enzymen im Stoffwechsel als Coenzym benötigt. Sie ist bei der Behandlung
von diabetischen Neuropathien (Nervenschädigungen) wirksam, durch Gabe
von α-Liponsäure lassen sich die Symptome der Nervenschädigung
lindern und neurologische Defizite bessern. Die Wirkung ist klinisch gesichert
und die Therapie zeigt keine ernsten Nebenwirkungen. Die Ergebnisse größerer
Studien stehen noch aus.*
Pflanzliche Substanzen
- Zimt
Über die antidiabetische Wirkung von Zimt wird seit einiger
Zeit diskutiert. Einem Bestandteil der Zimtrinde, dem MHCP (Methyl-Hydroxy-Chalcone-Polymer)
wird ein blutzuckersenkender Effekt zugesprochen. Einzelne Studien berichten über
positive Wirkungen von Zimt, andere Studien stellen keine relevanten Effekte
fest. Gegenwärtig
sind in Deutschland mehrere Zimtpräparate in Apotheken und Reformhäusern
im Handel. Nahrungsergänzung mit Zimtpräparaten kann
zur Zeit nicht
empfohlen werden, da weder positive Wirkungen gesichert noch eventuell
toxikologische Langzeitwirkungen untersucht sind.
- Extrakt aus Bittermelone
Im Handel erhältlich sind Produkte mit konzentriertem Bittermelonenmark (z. B. Sandoz
Glukokine®). Die Bittermelone oder Balsambirne (Momordica charantia) ist
eine Gemüseart aus Indien und wird dort volkstümlich als
Mittel gegen Diabetes Typ 2 verwendet. In der Literatur wurden eine Steigerung der Insulinproduktion
und eine Verbesserung der Zuckerverwertung in der Muskulatur beschrieben. Eine
Anwendung wird wie bei anderen Pflanzenextrakten auch von der Deutschen Diabetes
Gesellschaft nicht empfohlen.**

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