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Kohlenhydrate –
KE, BE und GLYX-Wert

Die richtige Ernährung bei Diabetes

Eine gute Nachricht vorneweg: es gibt keine spezielle Diabetesdiät mehr, bei der die Menge an Kohlenhydraten eingeschränkt werden muss. Sie sollten jedoch noch die Menge an Kohlenhydraten abschätzen, um z. B. Ihre Insulingabe zur Mahlzeit anzupassen.

Merke:
Idealerweise sollten Sie zwischen 45 % und 60 % Ihres Kalorienbedarfs durch Kohlenhydrate decken.
1 Gramm Kohlenhydrate entspricht 4 kcal.

Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Nahrungsmittel auf die Art der Kohlenhydrate:

Einfachzucker, wie Glucose (Traubenzucker) oder Mehrfachzucker wie Saccharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) werden schnell vom Körper aufgenommen und erhöhen den Blutzucker rasch. Diese sind für Diabetiker in der täglichen Ernährung weniger geeignet.

Für die schnelle Blutzuckererhöhung bei Unterzucker (Hypoglykämien) sind jedoch rasch verfügbare Kohlenhydrate unentbehrlich und können lebensrettend wirken. Für den Fall einer Hypoglykämie sollten Sie also stets solche schnell verfügbaren Kohlenhydrate griffbereit haben – z. B. Traubenzucker, Weißbrot oder süße Getränke wie Cola, Limonade, Fruchtsaft (keine Diätprodukte/Cola light!).

Nachdem Sie schnell verfügbare Kohlenhydrate zu sich genommen haben, sinkt der Blutzucker durch den raschen Abbau der Kohlenhydrate ebenso schnell wieder ab. Um dies zu vermeiden, sollten Sie danach zusätzlich noch langsam wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen, z. B. Brot oder Müsliriegel.

Diese Nahrungsmittel enthalten so genannte "komplexe Kohlenhydrate" (wie z. B. Stärke), welche aus langen Ketten von Zuckermolekülen bestehen und langsamer abgebaut werden. Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel nicht so stark und rasch und sind daher für Diabetiker in der täglichen Ernährung eher zu empfehlen.

Auch bei Nahrungsmitteln, die neben Kohlenhydraten viel Fett oder Ballaststoffe enthalten, steigt der Blutzucker nach der Mahlzeit langsamer an. Dies macht man sich zunutze bei zuckerhaltigen Lebensmitteln: Wenn der Zucker in Mahlzeiten "verpackt" gegessen wird, verzögert sich die Aufnahme in das Blut. Somit ist auch Haushaltszucker (Saccharose) für Diabetiker in vernünftigen Mengen erlaubt – bis zu 10 % der täglichen Kalorien – insofern sich das nicht negativ auf Ihre Blutzuckereinstellung auswirkt.

Der glykämische Index (GI) beschreibt den Blutzuckeranstieg

Um den unterschiedlichen Einfluss von Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel zu unterscheiden, benutzt man den glykämischen Index (auch GLYX-Wert oder GI).

Merke: Wählen Sie Lebensmittel mit einem niedrigen bis mittleren glykämischen Index!

Sie können sich in etwa an folgende Einteilung halten:

Niedriger GI
Mittlerer GI
Hoher GI
Unter 55
56 bis 69
70 bis 100

Der glykämische Index beschreibt Höhe und Dauer des Blutzuckeranstiegs nach der Aufnahme einer Portion des Nahrungsmittels, die 50 g verfügbaren Kohlenhydraten entspricht.
Als Referenzwert dient Traubenzucker (= Glucose bzw. Dextrose) mit einem GLYX-Wert von 100. Das bedeutet, der Blutzucker steigt rasch auf relativ hohe Werte.
Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index erhöhen den Blutzucker langsamer und weniger stark. So ergeben sich geringere Blutzuckerschwankungen, und eine bessere Stoffwechselkontrolle ist möglich.

Die glykämische Last (GL) berücksichtigt die Portionsgrößen

Der glykämische Index bezieht sich zum Teil auf sehr unterschiedliche Portionsgrößen und hat deshalb manchmal nur beschränkte Aussagekraft.

Tipp:
Bei der Nahrungsmittelauswahl können Sie sich am glykämischen Index (GI) orientieren. Zum direkten Vergleich ist die glykämische Last (GL) aussagekräftiger. Bevorzugen Sie Nahrungsmittel mit niedrigem GI bzw. niedriger GL.

Ein konkretes Beispiel: Kürbis und Weizenbrötchen haben beide einen GI von ca. 75.
Allerdings bezieht sich der GI auf ca. 1 Weizenbrötchen im Vergleich zu etwa 1 kg Kürbis. Ein Brötchen ist schnell verzehrt, ein ganzes Kilo Kürbis sprengt jedoch den Rahmen einer normalen Portion!
Deswegen hat man zum besseren Vergleich den Wert "glykämische Last" eingeführt. Die glykämische Last berechnet sich aus dem glykämischen Index, bezogen auf eine durchschnittliche Portionsgröße.

GL = [GI x Kohlenhydrate/Portion in g]/100

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Umgerechnet auf eine durchschnittliche Portion von 200 g Kürbis (GI = 75, 9 g Kohlenhydrate) ergibt sich GL = 7 gegenüber einem Weizenbrötchen (Portion = 45 g; GI = 73, 25 g Kohlenhydrate) mit GL = 18. Der Kürbis hat im direkten Vergleich die geringere glykämische Last und ist deswegen dem Brötchen vorzuziehen.

Broteinheit (BE) und Kohlenhydrateinheit (KE)

Mit Hilfe von Broteinheit bzw. Berechnungseinheit (BE, in Deutschland gebräuchlicher) und Kohlenhydrateinheit (KE, KHE) können Sie den Kohlenhydratgehalt eines Nahrungsmittels beurteilen. Man benutzt die Bezeichnungen KE und BE gleichwertig für eine Nahrungsmittelportion mit 10 - 12 g Kohlenhydraten. 1 BE erhöht den Blutzuckerwert um etwa 20 – 45 mg/dl. So lässt sich der mahlzeitenabhängige Insulinbedarf berechnen.

Die ursprüngliche Definition ist: 1 BE = Nahrungsmittelportion mit 12 g Kohlenhydraten 1 KE = Nahrungsmittelportion mit 10 g Kohlenhydraten

Ungefähr 1 BE bzw. 1 KE sind zum Beispiel enthalten in:

  • ½ Brötchen
  • ½ Scheibe Mischbrot
  • 2 Esslöffel gekochter Reis oder Nudeln
  • 1 kleiner Apfel
  • 125 ml Fruchtsaft

Eine genaue BE-Berechnung ist vor allem wichtig, um bei einer Insulintherapie (Typ-1-Diabetes oder insulinpflichtiger Typ-2-Diabetes) die benötigte Menge an Insulin vor einer Mahlzeit zu bestimmen.

Auch wenn Sie als Typ-2-Diabetiker mit Sulfonylharnstoffen* oder Gliniden** behandelt werden, müssen Sie auf die Menge und Verteilung der blutzuckerwirksamen Kohlenhydrate achten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Bitte besprechen Sie nähere Einzelheiten mit Ihrem Diabetesteam.

Die Gesamtzahl an BE bzw. KE sollte dem Kalorienbedarf angepasst sein. Eine Beschränkung ist normalerweise nur notwendig, wenn Sie übergewichtig sind.

*Wirkstoffe: Glibenclamid, Glimepirid, Gliquidon, Gliclazid
**Wirkstoffe: Repaglinid, Nateglinid (laut Rote Liste online 10.09.2007 im Handel)

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